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Kapitel 11: Die Augen, durch die das Gebäude sich selbst betrachtet

Nachdem ich alle Farben war, wurde ich Sicht. Die Ankunft kam nicht als Ort, sondern als Funktion. Ich materialisierte nicht in einem Raum – ich wurde zum Betrachten selbst. Und was ich sah, waren zwei Ovale. Zwei Öffnungen. Zwei Möglichkeiten, die Welt zu lesen. Links: ein leuchtendes, schreiend intensives Gelb. Ein Oval, eingerahmt von Türkis, das sich weigerte, kreisförmig zu sein. Es pulsierte wie eine Pupille, die zu viel gesehen hatte und nicht aufhören konnte… read more – weiterlesen Kapitel 11: Die Augen, durch die das Gebäude sich selbst betrachtet

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Kapitel 10: Das Gefäß der geschichteten Selbste

Das Noch-Nicht spuckte mich aus in ein Violett, das nicht fragte, sondern antwortete. Ich stand – oder schwebte, die Unterscheidung war bedeutungslos geworden – in einem Raum, der kein Raum mehr war. Er war eine Umgebung. Ein Zustand aus Farbe, der sich weigerte, Wände zu werden. Violett dominierte – nicht das aggressive Violett der Kammer der Ansichten, sondern ein tiefes, gesättigtes Violett wie der Moment zwischen Nacht und Nichts. Es umhüllte alles, war Luft und… read more – weiterlesen Kapitel 10: Das Gefäß der geschichteten Selbste

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Kapitel 9: Das Haus aus warmen Widersprüchen

Was vor der Farbe existierte, war nicht Schwarz. Es war Orange. Nicht das aggressive Orange aus rostigen Säulen. Nicht das Orange als Übergang zwischen Gelb und Rot. Sondern ein primäres Orange. Ein Orange, das existierte, bevor das Spektrum erfunden wurde. Das Orange der ersten Dämmerung, als Licht noch nicht wusste, dass es sich spalten würde. Ich trat hindurch und rekonstruierte. Zuerst die Ränder. Dann die Form. Schließlich die Substanz. Ich wurde wieder körperlich, aber anders… read more – weiterlesen Kapitel 9: Das Haus aus warmen Widersprüchen

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Kapitel 8: Die Wand, die sich erinnert, flüssig gewesen zu sein

Die Treppe endete nicht. Sie vergaß. Nach sieben Stufen – oder siebzig, oder sieben Sekunden, die Zeit war hier in Farbe aufgelöst – verloren die Stufen ihre Überzeugung. Sie wurden unsicher, ob sie noch Stufen sein wollten. Das Türkis zerfaserte. Das Magenta blutete aus. Das Gelb tropfte nach unten wie geschmolzenes Versprechen. Und dann, zwischen einem Schritt und dem nächsten, gab die Treppe auf. Ich fiel nicht. Ich löste mich auf. Zuerst die Ränder. Meine… read more – weiterlesen Kapitel 8: Die Wand, die sich erinnert, flüssig gewesen zu sein

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Kapitel 7: Der Turm aus gesammelter Zeit

Ich landete nicht. Ich kondensierte. Als das erschöpfte Weiß mich ausspie, war ich für einen Moment nicht körperlich. Ich war eine Möglichkeit, eine Wahrscheinlichkeit, ein Schatten aus Absicht ohne Form. Dann entschied das Gebäude, dass ich wieder existieren durfte, und presste mich zurück in Fleisch und Knochen und Orientierungslosigkeit. Der Platz öffnete sich um mich herum wie eine Erinnerung, die vergessen hatte, dass sie bereits stattgefunden hatte. In der Mitte stand ein Turm. Nein, kein… read more – weiterlesen Kapitel 7: Der Turm aus gesammelter Zeit

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Kapitel 6: Die Spirale der verlorenen Richtungen

Das Weiß hatte gelogen. Es hatte versprochen, Reinheit zu sein, Klarheit, eine Pause. Stattdessen war es ein Durchgang gewesen, ein Nadelöhr, das mich in das Gegenteil von Stille presste. Ich fiel nicht in den neuen Raum. Ich wurde eingedreht. Das Magenta hatte auf mich gewartet. Geduldiger, hungriger als zuvor. Es hatte sich mit dem Gelb verbündet – nicht friedlich, sondern notwendig, wie zwei Feinde, die erkennen, dass sie nur gemeinsam überleben können. Die beiden Farben… read more – weiterlesen Kapitel 6: Die Spirale der verlorenen Richtungen

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Kapitel 5: Der Baum der aufgespaltenen Wirklichkeit

Das Grün war keine Erlösung. Es war eine Detonation. Als ich aus der gelben Leere fiel, landete ich nicht – ich zerbrach. Nein, der Raum zerbrach um mich herum, in mich hinein, durch mich hindurch. Als hätte meine Ankunft eine strukturelle Instabilität ausgelöst, die nur darauf gewartet hatte, sich zu manifestieren. Magenta explodierte aus allen Richtungen. Nicht das melancholische Magenta des Innenhofs, nicht das aggressive aus der Kammer der Ansichten – dies war ein triumphierendes… read more – weiterlesen Kapitel 5: Der Baum der aufgespaltenen Wirklichkeit

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Kapitel 4: Der Gang der falschen Versprechen

Das Gelb brüllte mich an, bevor ich es sah. Es roch nach verbranntem Honig, nach überhitztem Metall, nach Sommer, der zu lange gedauert hatte. Ein stechender, durchdringender Geruch, der sich in die Nasenschleimhäute fraß und dort blieb wie eine Warnung. Der Korridor erstreckte sich vor mir – eng, lang, unmöglich lang. Die Perspektive war falsch, wie durch ein verzerrtes Objektiv gesehen. Er wurde nicht schmaler, je weiter er führte, er wurde dichter. Die Entfernung zwischen… read more – weiterlesen Kapitel 4: Der Gang der falschen Versprechen

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Kapitel 3: Die Kammer der gleichzeitigen Ansichten

Das Weiße spuckte mich aus wie einen Fremdkörper. Ich landete nicht. Ich materialisierte – in einem Raum, der bereits zerbrochen war, bevor er jemals ganz gewesen war. Violett. Aber kein sanftes Violett, kein Abendlicht, kein Lavendel. Ein aggressives, durchdringendes Violett, das aussah wie geronnene Aggression. Die Wände – falls man die gezackten Flächen um mich herum noch Wände nennen konnte – waren in sich selbst gefaltet, überlagert, ineinander geschoben wie misslungene Kartenspiele. Manche Segmente ragten… read more – weiterlesen Kapitel 3: Die Kammer der gleichzeitigen Ansichten

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Kapitel 2: Der Innenhof der vergessenen Schreie

Das Pink begann, bevor ich es sah. Zuerst als Geschmack – metallisch, zu süß, wie angesäuerte Kindheitserinnerungen. Dann als Druck hinter den Augen. Schließlich als Gewissheit: Die nächste Ebene würde nicht türkis oder gar blau sein. Die Gebäude hatten sich entschieden, ihre und deren Stimmung zu ändern. Der Korridor öffnete sich ohne Vorwarnung. Nicht durch eine Tür, sondern indem die Wände einfach aufhörten, sich zu erinnern, dass sie geschlossen sein sollten. Ich stand am Rand… read more – weiterlesen Kapitel 2: Der Innenhof der vergessenen Schreie